Vertrauen können und Verantwortung übernehmen

Ich mache häufig mit Schülern die Paarübung „Führen und Geführt werden.“ Dabei bekommt einer die Augen verbunden, der andere führt. Nach einer bestimmten Zeit wird abgewechselt. Die erste Frage bei der Auswertung ist: „Wobei hast du dich wohler gefühlt? Beim Führen oder beim Geführt werden? Und warum ist das bei dir so?“ Dabei ist es für mich interessant zu sehen, dass fast jeder sich festlegen kann und etwa die Hälfte der Schüler sagen, dass sie sich beim Führen bzw. beim Geführt werden wohler fühlen. Beim Geführt werden wird oft genannt, dass es das Einlassen auf etwas Ungewohntes und das Vertrauen können ist, beim Führen, dass jemand gerne die Kontrolle hat und Verantwortung übernimmt. Vertrauen können und Verantwortung übernehmen gehört zum Leben. Wer keinem Menschen vertrauen kann, wird einsam, wer zu viel vertraut, kann leicht ausgenutzt werden. Genauso ist es schwierig, immer alles kontrollieren zu wollen. Das kann leicht zwanghaft werden. Im Leben und auch im Glauben ist es wichtig, da immer wieder das Gleichgewicht zu finden. Mein Glaube sagt mir, dass ich darauf vertrauen darf, dass ich gut bin, so wie ich bin und dass es mehr in meinem Leben gibt, als ich sehen und mit meinem Verstand erfassen kann. Und zugleich sagt mir mein Glaube auch, dass ich Verantwortung in der und für die Welt habe. Ich wünsche uns Menschen, denen wir vertrauen können un den Mut, immer wieder die Balance zwischen Vertrauen können und Verantwortung übernehmen zu suchen.
Pastoralreferent Karl Josef Schmitt
Pastoraler Raum Wadern
