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Den richtigen Weg finden

Vor eiem Weg eine Tafel mit einem Labyrinth abgebildet
Datum:
8. Sept. 2026
Von:
Rainer Stuhlträger

Auch in diesem Sommer war ich mit dem Rad unterwegs, nur mit Karte, auf der ‚Via Augusta‘, von Donauwörth über die Alpen nach Verona. Ich bin angekommen, schneller als gedacht, trotz ungewollter oder auch geplanter Umwege.

 

An manchen Wegscheiden stand ich vor der Frage nach dem rechten bzw. richtigen Weg, weil die Beschilderung ungenau war. Ich traf meine Wahl.   

         In Österreich war mein erster zu bezwingender Pass der Fernpass. Nach viel Geschiebe auf dem sehr steilen und steinigen Radweg schien ich endlich den Berg erklommen zu haben. Dann ging es hinunter. Plötzlich eine Weggabelung, rechts ging es hoch und links bergab, der Wegweiser stand schief und zeigte mittig Richtung Gelände. Meine innere Stimme ließ mich bergab fahren und ich traf auf die Bundesstraße. Der Gedanke, den falschen Weg eingeschlagen zu haben, ließ mich stöhnen. Alles wieder bergauf, o nein! Gott-sei-Dank kam in diesem Moment ein mit GPS ausgestatteter Radfahrer, er lotste mich 20 m die Bundesstraße entlang und dann weiter links runter. Unten im Tal zeigte sich, ich war dem „richtigen“ Weg gefolgt.

         Später auf italienischer Seite verlief der Weg sehr gerade, fast eintönig, dass ich Abstecher nach rechts und links tat, aber immer wieder zurückkehrte zu meinem Urlaubs-Weg, dem ich folgen wollte.

 

Beim Propheten Jesaja 30, 21 heißt es: „Wenn ihr nach rechts oder links abbiegen wollt, werdet ihr hinter euch eine Stimme hören, die zu euch sagt: »Dies hier ist der Weg, dem ihr folgen sollt!«Im Urlaub habe ich diese Erfahrung der Stimme in oder hinter mir gemacht. Andere sagen dazu Bauchgefühl. Ich habe Entscheidungen an Weggabelungen getroffen, hatte aber nie das Gefühl in die Irre zu gehen. Die Stimme ‚hinter Euch‘ gilt in theologischen Auslegungen als Bild für Gottes Gegenwart und Weisung. Wie ein unsichtbarer Begleiter warnt und korrigiert sie, bevor man sich ganz verlaufen hat.

 

Angesichts der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bewegt mich die Frage nach linkem und rechtem Abbiegen, dem richtigen Weg und dem Abirren auf der Suche nach einer Alternative. Zu Jesajas Zeit, im 8. Jh. v. Chr., litt Israel unter militärischer Bedrohung und politischer Orientierungslosigkeit. Vertrauen war weggefallen.

Der Prophet Jesaja verhieß Trost nach der Krise, Wiederherstellung und Orientierung durch Gottes Wort, dass für Recht und Gerechtigkeit steht, für soziales Miteinander und die Würde eines jeden Menschen.

Israel hat damals Jahre gebraucht, um die Krise zu überwinden, aber das Volk hat damals zur Stimme ‚hinter uns‘ zurückgefunden.

 

Ich hoffe, dass auch wir gemeinsam

-zum richtigen Weg/‚zum Weg, dem wir folgen sollen‘ und zu dieser Stimme ‚hinter uns‘,

-zu diesen Grundwerten, für die jeder Christ/jeder Mensch, einstehen sollte,

zurückfinden und das schnell.

 

Wiebke Reinhold

Pfarrerin der Ev. Kgm. Wadern-Losheim