Zum Inhalt springen

Allerheiligen - wir sind in der Trauer nicht alleine

Ein Priester im liturgischen Gewand steht auf dem Friedhof vor einem Grab und segnet es mit erhobenen Arm. Um ihn stehen einige Menschen.
Datum:
26. Okt. 2026
Von:
Rainer Stuhlträger

Am 1. November ist Allerheiligen, der Tag des Totengedenkens.

Er ist verbunden mit Gräbersegnungen auf unseren Friedhöfen. Die Menschen versammeln sich, um gemeinsam ihrer Toten zu gedenken, etwas das heutzutage immer seltener wird.

Früher war es selbstverständlich – auf jedem Fall auf dem Land, dass das ganze Dorf bei einer Beerdigung mitgegangen ist, egal ob man mit dem Sterbefall in Beziehung stand oder nicht. Heute dagegen kommen oft nur noch Verwandte und Freunde; und dieser Kreis kann manchmal sehr klein sein.

Umgekehrt wird es mehr und mehr üblich, Beerdigungen im engsten Familienkreis zu feiern. Es wird nicht mehr veröffentlicht und so können nur die teilnehmen, die persönlich eingeladen wurden. Allen anderen wird die Möglichkeit genommen am Grab ihre Anteilnahme deutlich zu machen. Es wird ihnen aber auch die Möglichkeit genommen am Grab selbst Abschied zu nehmen.

Wer sich für eine Beerdigung im engsten Familienkreis entscheidet, entscheidet unbewusst auch, wie andere um den Verstorbenen trauern dürfen.

Die Gräbersegnung weitet die mittlerweile oft sehr eng und klein gewordenen Formen der Verabschiedung. Sie macht deutlich: sowohl unsere Verstorbenen als auch wir sind aufgehoben in einer großen Gemeinschaft. Wir trauern nicht allein, wir trauern in Gemeinschaft, und wir hoffen, glauben und trösten uns auch in dieser Gemeinschaft. Und genauso dürfen wir auch glauben, dass unsere Verstorbenen in der großen Schar aller Verstorbenen aufgehoben sind.

Es ist diese starke Gemeinschaft, mit der wir der Macht des Todes und der Trauer begegnen können, das dürfen uns die Gräbersegnungen jedes Jahr aufs Neue bewusst machen.

 

 

Axel Feldmann,

Pfarrer und Dekan, Wadern