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Brücken bauen

Ein Holzbrett über ein Bach
Datum:
15. Okt. 2026
Von:
Rainer Stuhlträger

Seit mehr als einem halben Jahr ist die Saarbrücke zwischen Hilbringen und Merzig gesperrt. Damit ist eine der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt unterbrochen. Wer in die Kreisstadt gelangen möchte, muss Umwege und Wartezeiten in Kauf nehmen.

Die Menschen in und um Merzig erleben durch diese Sperrung alltäglich, wie wichtig Brücken sind. Sie überwinden Hindernisse, schaffen Zugänge und ermöglichen Begegnungen. Wo sie fehlen, werden aus Flüssen und Tälern trennende Grenzen.

Auch im gesellschaftlichen Miteinander braucht es immer wieder Brücken zwischen unterschiedlichen Überzeugungen, Meinungen und Bedürfnissen. In einer Zeit, in der Meinungen in Sekundenschnelle verbreitet, Urteile rasch gefällt und Menschen auf wenige Schlagworte reduziert werden, drohen Verbindungen zu zerbrechen. Unterschiedliche Überzeugungen, Sorgen um die Zukunft oder das Gefühl, mit den eigenen Anliegen nicht gehört zu werden, können die Distanz zwischen Menschen vergrößern.

Manchmal fehlen die Wege, die ein ernsthaftes Verstehen anderer Positionen ermöglichen: An die Stelle tragfähiger Argumente treten vorschnelle Urteile, Plattitüden und persönliche Befindlichkeiten. Die Distanz wächst, die Fronten verhärten sich.

Brücken im gesellschaftlichen Miteinander entstehen dort, wo wir einander wirklich zuzuhören und die Mühe aufbringen, die Haltung des Gegenübers verstehen zu wollen – seine Beweggründe, seine Bedürfnisse und auch seine Sorgen. Das bedeutet keineswegs, jede Auffassung teilen oder gutheißen zu müssen. Doch erst das ernsthafte Bemühen um Verständnis eröffnet einen Weg über die Grenzen des eigenen Denkens hinaus.

Die Instandsetzung der Saarbrücke bei Merzig wird wohl in wenigen Wochen abgeschlossen sein. Und ich bin überzeugt: Mit ein bisschen Mühe halten wir auch die Brücken im gesellschaftlichen Miteinander in der Zukunft passierbar.

Dr. Philipp Kirsch
Mitglied im Leitungsteam Pastoraler Raum Merzig