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Wort zum Alltag

Lernen barmherziger zu sein
Zwei Menschen diskutieren
Datum:
2. Juli 2026
Von:
Christine Thewes

Der Spruch: „Was siehst du den Splitter im Auge deines Nächsten, aber den Balken in deinem Auge siehst du nicht!“ zählt zu den bekanntesten Worten Jesu. Er soll mich davor bewahren, stets die Fehler bei den anderen zu suchen und mir deutlich machen, dass auch ich nicht perfekt bin.

Wie schnell sehen wir die Fehler bei anderen und be- bzw. verurteilen, ohne überhaupt genaueres zu wissen. Durch die sozialen Medien wird das -vor allem anonym- immer leichter. Da geht es dann oft darum, den anderen kleinzumachenoder bloßzustellen und hat häufig nichts mit konstruktiver Kritik zu tun.

Auf der anderen Seite ist für mich mit dem Spruch aber nicht gemeint, dass ich nicht auch urteilen und meine Meinung sagen soll, wenn ich etwas sehe, was meiner Meinung nach nicht richtig läuft. Dann bestände leicht die Gefahr, dass ich gleichgültig werde und mich aus allem raushalte. Für das Zusammenleben wäre es fatal, wenn alle sagen würden: „Ist mir doch egal“ und sich keiner einmischt, wenn Unrecht geschieht. Wir brauchen in einer demokratischen Gesellschaft den Mut, uns für ein gutes und gerechtes Zusammenleben einzusetzen und auf Fehler hinzuweisen. Dazu fordert uns sogar das Evangelium auf.

Es kommt dabei aber auf die Art und Weise und auf die innere Haltung an. Wie begegne ich meinen Mitmenschen? Vorwiegend kritisch und bewertend oder wohlwollend und wertschätzend? Die Bibelstelle kann mich so davon abhalten, in meinem Urteilen vorschnell und überheblich zu sein. Ich bin nur ein Mensch und meine Sichtweise kann fehlerhaft sein. Als fehlerhafter Mensch darf ich aber darauf vertrauen, dass Gott mit meinen Schwächen und Fehlern barmherzig ist. So kann ich lernen, mit mir und mit anderen barmherziger und wertschätzender zu sein. Und mich trotzdem aktiv und konstruktiv in der Gesellschaft einbringen.