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Das ist so eine Sache mit dem Neuen …

Auf dem Boden gelebe Kreise von, Innenen ein Schriftzug 'And I Chose just beginn again'
Datum:
19. Jan. 2026
Von:
Rainer Stuhlträger

Ein Mensch lebt noch mit letzter List

in einer Welt, die nicht mehr ist.

Ein andrer, grad so unbeirrt,

lebt schon in einer, die erst wird.

(Eugen Roth)

 

Das ist so eine Sache mit dem Neuen …

 

Die einen können es kaum erwarten: das neueste Smartphone oder das nächste Automodell. Oder vielleicht einen neues politisches Gesicht. Oder eine neue Schulleitung. Oder oder oder … - die einen können es kaum erwarten.

 

Den anderen ist das Neue nicht ganz geheuer. Sie können mit dem Neuen nicht umgehen, haben Sorge nicht mehr Schritt halten zu können oder möchten einfach das Gewohnte nicht verlieren.

 

Das hat auch – aber nicht nur – mit dem Lebensalter zu tun, vor allem mit Erfahrungen, die wir gemacht haben. Erfahrungen sind ja leider nicht nur gute Erfahrungen. Da wird man vorsichtig, man will nicht immer enttäuscht werden. Man will nicht verlieren und nicht verzichten. Viel wird versprochen und wenig gehalten, nicht nur in der Politik, auch schon mal beim Smartphone. Bei dem, was ich habe, weiß ich woran ich bin.

 

Neugierige und weniger skeptische Menschen dagegen haben an das Neue sehr hohe Erwartungen, manchmal zu hohe, manchmal illusorische Erwartungen. „Jetzt wird alles besser!“ Aber was ist denn besser? Und was ist Alles?

 

Die Bibel, ein Buch das menschliche Erfahrungen über Jahrtausende enthält, kennt diesen Konflikt und hat ihn immer wieder dokumentiert. Da ist zum Beispiel die Geschichte des Volkes Israel, das in Ägypten versklavt war. Aus der Not der Unterdrückung heraus ließen sich die Menschen zunächst auf das Neue ein. Sie zogen unter der Führung von Moses aus Ägypten weg in ein unbekanntes Land. Aber damit war nicht sofort alles besser. Die Wanderung war mühselig, man machte sich – berechtigte! - Sorgen um die Wasservorräte, es gab nicht immer das Essen, das man gern gehabt hätte …. So mancher sehnte sich zurück, ignorierte, dass es vorher in Wirklichkeit unerträglich war. Es dauerte lange, bis man endlich am Ziel war und sich alle einig waren: Ja, es war doch gut so, der Aufbruch ins Neue war ein Segen.

 

In der Bibel spielt das Neue eine wichtige Rolle. Es geht nicht um das Neue um des Neuen willen, es gibt auch immer wieder den Rat, an Bewährtem festzuhalten. Aber wo immer Menschen unter dem gegenwärtigen Ist-Zustand leiden, wo immer das Leben in seiner Entfaltung eingeschränkt wird, und vor allem, wo das Leben gefährdet ist, da wurden Menschen aufgerufen, das Neue zu wagen. Und sie haben dabei erfahren: Gott hat uns im Wagnis des Neuen unterstützt, hat uns geholfen die bedrückenden alten Zustände zu verlassen und Besseres zu erreichen. Außerdem hat Gott immer wieder Leute zu Mutmachern und Mutmacherinnen berufen, damit die Menschen am Schwierigen und Schweren in ihrer Zeit nicht zugrunde gehen, sondern Hoffnung schöpfen, damit sie sich auf die anstehenden Veränderungen einlassen und am Neuen aktiv mitwirken können. Seher und Prophetinnen werden solche Mutmach-Menschen in der Bibel genannt. Einer von ihnen ist der Seher Johannes, der ein ganzes Mutmach-Buch niederschrieb, die Offenbarung, auch Apokalypse genannt. Den schlimmen Erfahrungen der Christen und Christinnen seiner Zeit setzt Johannes das Versprechen Gottes entgegen: „Siehe ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5) Für 2026 ist diese Zusage die Jahreslosung.

 

Oft sieht es so aus, als ginge es mit der Welt immer nur weiter bergab, als wären die guten Versprechen Gottes nicht mehr als schöne Worte. Dann ist es wichtig, auf die alten Geschichten zu schauen, die daran erinnern, dass Gott immer wieder gehandelt und geholfen hat, Geschichten wie die vom Auszug aus Ägypten.

 

Der Gott, der in biblischer Zeit handelte, ist nach wie vor am Wirken. Worte wie unsere Jahreslosung - „Gott spricht: Siehe ich mache alles neu.“  - wollen uns Mut machen und unser Gottvertrauen stärken. Der Gott, von dem die Bibel erzählt, schafft Neues. Auch für uns Menschen von heute.

Andrea Zarpentin